Versorgungsausgleich: Zahlungen aufgrund einer Scheidungsfolgenvereinbarung sind keine Werbungskosten

Dass Scheidungen teuer werden können, ist hinlänglich bekannt. Zwar kann über geschickte
Vertragsgestaltungen versucht werden, den Fiskus an den Kosten zu beteiligen, also steuerliche Vorteile
auszunutzen. Dass solche Möglichkeiten jedoch beschränkt sind, beweist der folgende Fall des
Finanzgerichts Köln (FG).
Als sich hier zwei Ehegatten trennten, hatte die Frau dem Mann Zugewinnausgleich zu leisten. Im
Gegenzug hatte der Mann die Frau an seinen in der Ehezeit erworbenen Versorgungsanwartschaften zu
beteiligen. So hätte die Frau dem Mann 193.000 EUR Zugewinnausgleich und der Mann ihr einen
kapitalisierten Betrag von 78.000 EUR von seinen Versorgungsanwartschaften zu zahlen. Die Ehegatten
dachten sich, das ist ja einfach, und rechneten alles durch: Die Frau zahlte folglich die Differenz von
115.000 EUR, während der Mann seine Versorgungsanwartschaften ungeschmälert behielt. Bei seiner
Steuererklärung machte der Mann – von Beruf Steuerberater – geltend, im Ergebnis hätte er ja schon
78.000 EUR von seiner Versorgung abgegeben, andernfalls sei die Zahlung der Frau schließlich höher
ausgefallen. Der Verzicht auf den höheren Ausgleich sei Aufwand zum Erhalt der vollen
Rentenanwartschaft und deshalb als vorweggenommene Werbungskosten anzusehen.
Netter Versuch – aber das FG ist der Argumentation nicht gefolgt. Zum einen müsste es sich dazu bei
den Rentenanwartschaften rein begrifflich um ein abnutzbares Wirtschaftsgut handeln, was nicht der Fall
ist. Zum anderen würden Altersvorsorgeaufwendungen im Steuerrecht kraft Entscheidung des
Gesetzgebers nicht als Werbungskosten behandelt, sondern rein als Sonderausgaben. Und als solche
können sie aufgrund gesetzlicher Regelung seit 2015 nur unter besonderen Voraussetzungen einen
steuerlichen Vorteil nach sich ziehen, die hier nicht vorlagen, da insbesondere der andere Ehegatte (also
die Frau) einer entsprechenden Besteuerung des Betrags bei sich weder zugestimmt hatte noch zustimmen
musste.
Hinweis: Abgesehen von der vorstehend dargestellten Sondersituation sind manche Steuervorteile
anlässlich Trennung und Scheidung in fast jedem Fall zu sehen und zu nutzen. Die fachkundige Beratung
lohnt sich und sollte in Anspruch genommen werden.